Da ich in letzter Zeit immer wieder das dumme Totschlagargument höre, wir würden ja zu dem werden, was wir bekämpfen, bzw. würde uns ja nichts mehr vom totalitären Islam unterscheiden, wenn wir eine konservative Republik schaffen würden – und weil ich gestehen muss, dass ich selbst früher gerne dieses „Argument“ benutzt habe – scheint es mir an der Zeit einmal ein paar grundsätzliche Dinge klar zu stellen:
Eigentlich hätten doch die jüngsten Veröffentlichungen und Diskussionen, wie Manfreds Vorveröffentlichung des ersten Kapitels seines neuen Buches „die Liquidierung der Zivilisation“, mein „Dialog auf der Nebukadnezar“, aber nicht zuletzt auch die pointierten Äußerungen Sarrazins zum Territorialprinzip, der liberalen Islamkritik insofern die Augen öffnen müssen, dass eines klargeworden ist: Wenn wir nicht wissen, WAS wir eigentlich gegen den Islam verteidigen, dann wird uns der Kampf sehr schwerfallen.
Die liberale Antwort sind die „Menschenrechte“, so als wenn es einzig und allein darauf ankäme, dass eine fremde orientalische Religion, die sich bei uns breitmacht, diese achten würde und der Umstand, dass sie sich hier breitmacht, wäre nicht weiter schlimm.
Mit „Menschenrechte“ meint der Liberale allerdings nicht in erster Linie die allgemeine Erklärung derselben, sondern zuvörderst ein Gesellschaftssystem, welches dem Menschen möglichst die totale Emanzipation von allen gewachsenen Bindungen ermöglicht. Freiheit wird verstanden als eine Loslösung von jeglicher „Herrschafts“- struktur. Der völlig emanzipierte Mensch ist aber nicht völlig frei, sondern völlig bindungslos, orientierungslos und anfällig für jegliche Manipulation. Er kann auch nicht „selbst denken“ oder eigenständig entscheiden, weil ihm jede Grundlage, jedes Kriterium dafür, fehlt.
Daher will ich hier zu ein paar wichtigen und immer wieder diskutierten Punkten festhalten, was meiner Meinung nach eine konservative von einer liberalen Islamkritik unterscheidet:
Frauen und Gleichberechtigung
DAS Steckenpferd der liberalen Islamkritik sind die Frauenrechte, mit welchen es im Islam ja tatsächlich nicht zum Besten steht. Von konservativer Seite aus sind dazu jedoch einige Dinge zu sagen:
Zum einen ist es nicht unsere Aufgabe die Restwelt mit unseren Vorstellungen von Gleichberechtigung zu penetrieren (gilt für andere westliche Ideale auch). Wenn in Afghanistan Frauen die Nasen abgeschnitten werden, dann finde ich das nicht gut. Es ist aber nicht meine „Number One Priority“ hieran etwas zu ändern. Es geht auch nicht darum, dass Frauenbewegung und Aufklärung in Europa so und so lange gebraucht haben, um sich durchzusetzen und wir der islamischen Welt sozusagen die gleiche Zeit dafür einräumen sollten. Es ist zum einen recht unwahrscheinlich, dass es eine ähnliche Bewegung in der islamischen Welt geben wird, zum anderen wie gesagt nicht unser Problem.
Drittens sollten wir alle langsam wissen, was von der Frauenbewegung zu halten ist.
Mina Ahadi war es, glaube ich, die für die muslimische Frau das „Recht auf Selbstbestimmung ihrer Sexualität“ forderte. Wie dieses Recht von Frauen täglich missbraucht wird könnre sie (und könnten wir) tagtäglich in der westlichen Welt beobachten, wenn dies nicht eines der größten Tabus überhaupt wäre. Sexuelle Freiheit heißt eben nicht „rumpoppen, bis der Arzt kommt!“ Ich komme zurück auf den heruntergewirtschafteten Freiheitsbegriff unserer Zeit, der von jeder Verantwortung entkoppelt ist.
Wenn Menschen, die sich nicht exzessiv promiskuitiv engagieren wollen ausgegrenzt werden, wenn Asexualität als Krankheit, Transsexualität aber als „Lifestyle“ gilt, dann stimmt etwas nicht.
Es ist vielleicht „archaisch“, wenn ein Mann von seiner Frau verlangt, dass sie ihm treu ist, aber es ist auch natürlich. Die ganzen Experimente mit den Dreiecksbeziehungen und so fort im Gefolge der 68er haben nur psychisch kranke Menschen hervorgebracht. Aber in unseren Köpfen ist die monogame Ehe mit (männlicher) häuslicher Gewalt verknüpft und die „lockere“ Beziehung gilt als Nonplusultra. Wer hier nicht merkt, wie sehr sein Gehirn Opfer der medialen Beeinflussung geworden ist…
Tatsächlich würde (für Frauen und Männer) eine wahrhafte sexuelle Selbstbestimmung dazu führen, dass man das tut, was jahrhundertelang Pflicht war. Wenn man Eltern nicht ständig einreden würde, dass es „normal“ ist, wenn ihre Teenager- Kinder schon sehr früh „erste Erfahrungen“ sammeln, dann würden die auch viel mehr darauf achten, dass nichts passiert. Der absolute Horrorsatz dazu (in einer RTL2 Sexsendung, die um 20:15 lief): „Mit vierzehn erst drei Sexualpartner gehabt? Wow, Respekt, das ist heutzutage selten!“ Diesen Satz sagte eine Mutter zu ihrer Tochter.
Und zur Gleichberechtigung hat Herman eigentlich auch schon alles gesagt. Was hilft es Frauen denn, wenn sie denselben Blödsinn machen DÜRFEN, den Männer machen MÜSSEN? Es kann doch nur aus dem verdrehten Hirn einer Frau die Vorstellung stammen, Arbeit bedeute für den Mann „Selbstverwirklichung.“
Gleichberechtigung zu fordern wäre überhaupt nicht nötig, wenn außer den körperlichen Merkmalen kein Unterschied zwischen den Geschlechtern bestünde. Gleichberechtigung ist nur dann einzufordern, wenn es tatsächlich unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Merkmalen gibt. Dass „Gleichstellung“ nicht Gleichberechtigung, sondern Bevorzugung von Frauen bedeutet (und das seit Jahrzehnten!), GenderMainstreaming nicht Gleichstellung, sondern Gleichmacherei, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Dass der Mann keine Kinder austragen kann ist auch bekannt. Auch habe ich wiederholt ausgeführt, dass Frauen, die sich weigern einem Mann ein Heim und eine Familie oder zumindest eine feste Bindung zu garantieren, sich selbst zu Sexobjekten degradieren.
Was bleibt aber dann noch von der Gleichberechtigung? Will der Konservative nicht das gleiche wie der radikale moderate Taliban? Will er etwa nicht die Frau wieder entrechten?
Wenn eine Festlegung auf das biologische Rollenmodell eine Entrechtung bedeutet, dann will er das tatsächlich. Der Konservative macht sich nämlich keine Illusionen darüber, in welcher Weise und in welchem Umfang man Menschen umerziehen kann, bzw. er akzeptiert den Menschen einfach so wie er ist. Also hat er es nicht nötig Frauen auf Teufel komm raus in männliche Rollen zu zwängen und umgekehrt.
Was uns von den moderaten Taliban unterscheidet ist, dass wir unsere Frauen achten und ehren. Und die Kinder, die sie uns schenken.
Das furchtbare an der Rolle der Frau im Islam ist nämlich eben nicht, dass es rigide sexuelle Vorschriften für sie gibt, sondern dass für den Mann keine solchen Vorschriften existieren und jede Perversion noch heilig gesprochen wird (weil man damit dem Propheten, der ja wahrhaft kein Klosterschüler war, nacheifert). Dass die Frau keinerlei Rechte gegenüber ihrem Mann hat und quasi sein Besitz ist.
Das liberale Missverständnis beruht auf der Fehlannahme, dass in einer klassischen (westlich/ christlichen) Ehe die Frau dem Manne ebenso rechtlos ausgeliefert sei wie das bei den Moslems der Fall ist. Das stimmt aber so nicht und war in der Geschichte des Westens auch nie so.
Das Ganze hat auch viel mit der (christlichen) Wertschätzung des Lebens an sich zu tun. Die griechisch- römischen Heiden hatten zwar im Vergleich zu heutigen Moslems auch schon „emanzipierte“ Frauen, waren aber immerhin noch Herren über Leben und Tod aller Familienmitglieder. Das Christentum hat dafür gesorgt, dass sich allmählich Frauen- und Kinderrechte etablierten.
Vielleicht ist es ja ein elementares Menschenrecht der Frau, dass sie sich wie eine Nutte verhalten darf, wenn sie das denn will. Vielleicht ist es ja auch ein elementares Kinderrecht, sich sexuelle Orientierung, ja selbst das Geschlecht „selbst auszusuchen“, so wie es unser Erziehungswesen mittlerweile vorsieht. Dann zerstören diese „elementaren Rechte“ allerdings die Lebensgrundlage unserer Gesellschaft. Ich persönlich finde das nicht wünschenswert und die meisten Konservativen werden mir hier folgen. Der Liberale, der an dieser Stelle Einspruch erhebt muss sich aber zumindest die Frage gefallen lassen, inwiefern er eine zerfallende Gesellschaft, die sich innerhalb weniger Generationen zu Tode schrumpft, für wünschenswert hält, bzw. wie „emanzipatorische“ Konzepte diesem Trend entgegenwirken können. Da gibt es Leute, die erwidern, es komme ja nicht drauf an, was in hundert Jahren so ist. Da fällt mir nichts mehr ein…
Schwule und Randgruppen
Ich habe Schwule noch nie gemocht, hatte immer eine „Homophobie.“ Als ein guter Kumpel von mir sich allmählich outete war ich der Allerletzte, der es erfuhr. Er hatte panische Angst ich würde nie wieder mit ihm reden. Da er mir allerdings versicherte was mich angeht keinerlei sexuelles Interesse zu haben konnte ich damit leben.
Aber ernsthaft, natürlich will ich nicht, dass man Homosexuelle, wie das in islamischen Ländern üblich ist, am Baukran aufhängt. Die konservative Kritik an den Schwulen und Lesben ist keine Kritik an der Homosexualität an sich, sondern eine Kritik am Verhalten der Homosexuellen und an der Deutung der Homosexualität als „Lifestyle.“
Es gilt ja hierzulande schon fast als Verbrechen wissenschaftliche Erkenntnisse darüber zu diskutieren, wie Homosexualität entsteht (meines Wissens nach nämlich durch eine hormonelle Fehlsteuerung in der frühen Kindheit). Das Dogma: Jeder kann schwul sein! Wenn Homosexualität allerdings eine Wahl ist, dann ist doch „Homophobie“ von Heterosexuellen vorprogrammiert! Sie leiden unter dem (nicht nur eingebildeten) Versuch, sie „umzudrehen.“ Sie leiden darunter, dass man ihre Ekelgefühle in Bezug auf die Homosexualität als Fehlentwicklung ihres Charakters deutet. So wie man früher Masturbation mit fiesen Geschichten zu unterbinden versuchte, so wird heute das völlig normale Gefühl des Abgestoßenseins, das Heteros bei der Vorstellung von gleichgeschlechtlichem Sex befällt, als „unrein“ gebrandmarkt, indem die Faschokeule geschwungen wird.
Wenn man Schwulen genau zuhört, dann erfährt man viel darüber, wie sehr sie von Heterosex, manche gar allgemein von Frauen, abgestoßen sind.
Die politische Korrektheit aber unterstellt, dass man Menschen, die sich Praktiken hingeben, die man abstoßend findet, als unwert definiert.
Die Schwulenverbände machen es uns ebenfalls nicht leicht, sie als ernstzunehmende Vertreter ihrer Klientel anzusehen. Alles, was wir zu sehen bekommen, sind Menschen, die ihrem Sexualtrieb völlig ausgeliefert sind und es als „Befreiung“ erleben den Rest der Menschheit damit zu belästigen.
Es gibt auch Homosexuelle, die ihre Sexualität nicht ausleben, aber die schaffen es nicht in die Öffentlichkeit.
Wir sind zudem mittlerweile so weit, dass wir in Bezug auf Schwule die gleichen „Gleichstellungs“ (also Bevorzugungs)-bemühungen erleben wie zuvor in Bezug auf Frauen. Wenn die Homoehe der richtigen Ehe „gleichgestellt“ wird, dann ist das eine Entwertung dieser Institution. Was aber passiert, wenn Liberale das mit der Demographie verstanden haben? Genau, sie fordern eine Besserstellung der Ehe mit Kindern, aber eine Gleichstellung der kinderlosen Heteroehe mit der Schwulenehe. Da fällt mir nichts mehr ein…
Recht und Rechtsstaat
Wenn man für Opferschutz vor Täterschutz eintritt und die lächerlich milden Urteile gegenüber Mitgliedern arabischer Verbrecherclans anprangert, dann erntet man in der liberalen Islamkritik noch heftig Beifall. Ja, die dummen Gutmenschen, die verstehen es eben nicht, dass man die Leute auch mal bestrafen muss.
Aber die Todesstrafe ist Autobahn! Selbst Wilders Forderung die Haftbedingungen zu verschlechtern und das gesparte Geld lieber in die Altenheime zu stecken hinterließ bei manch einem „Menschenrechtler“ einen dicken Kloß im Hals. Und was sagen wir, wenn die Amis anfangen, Terroristen einfach wegzusperren, statt ihnen erst ihre Rechte vorzulesen? Richtig, jetzt sind wir ja schon genauso böse wie die!
Gefängnisstrafen sind eh teuer und nutzlos, die Pisser sind dann zwar weg von der Straße, aber trotzdem unproduktiv und kommen am Ende mit mehr krimineller Energie raus als sie beim Reinkommen hatten. Der ganze Psychomist mit Resozialisierung ist das Gleiche, als wenn man direkt Hunderter in den brennenden Ofen steckt.
Ich habe ja schon öfter eine Selsbtverwaltung für Gefängnisse vorgeschlagen. Dafür müsste man sie über ihr Budget frei verfügen lassen, allerdings keinerlei Zuschüsse geben. Die Gefängnisse müssten dann mit Arbeitsleistungen ihrer Insassen für ihr eigenes Auskommen sorgen. Mindereinnahmen aufgrund von Faulheit und Arbeitsverweigerung würden die Häftlinge dann am eigenen Leibe zu spüren kriegen. Umgekehrt könnten Mehreinnahmen für Vergünstigungen ausgegeben werden, Aber das hätte ja am Ende noch einen erzieherischen Effekt und das kann ja nicht Sinn eines resozialisierenden Strafsystems sein!
Es fängt schon damit an, dass wir Kinder nicht mehr bestrafen. Die sozialistische Pädagogik, die seit 68 Einzug in die Klassenzimmer gehalten hat, geht davon aus, dass wir auf die Schuldeinsicht der Kinder setzen sollten. Wie aber soll jemand, der nie bestraft wird, einsehen, dass er was falsch macht? Diese Frage ist auch die kürzeste Zusammenfassung von Heisigs Buch.
Also, nein, Konservative wollen nicht die Scharia einführen. Das westliche Äquivalent wäre übrigens ein auf der Bibel fußendes Rechtssystem. Selbst wenn man nur das AT nehmen würde ginge es humaner zu als unter islamischem Gesetz und – zumindest was die Opfer von Gewaltverbrechen angeht – selbst humaner als heute.
Denn die Frage nach „humanen“ Strafen verkennt ja leider, dass einige Taten einfach nicht mehr als human zu bezeichnen sind. Strafen müssen sich an der Verhältnismäßigkeit orientieren. Hand abhacken für Diebstahl ist unverhältnismäßig. Bewährungsstrafen für Gruppenvergewaltigungen oder mehrfach vorbestrafte Intensivtäter aber auch.
Unser mildes Rechtssystem, ausgelegt für stoische deutsche Naturen, ist eben nicht für Menschen ausgelegt, die nur die Sprache der Gewalt verstehen. Statt eines „Migrationsbonus“ vor Gericht, bräuchten wir eigentlich eine Regelung, dass kulturfremde Menschen härter bestraft werden als Einheimische. Nur, damit klar ist, dass der Rechtsstaat sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt.
Wenn Pierre Vogel kackenfrech Frau Merkel zur Einführung der Scharia auffordert, um die Verbrechensprobleme in Neukölln zu lösen, hat das etwas Poetisches.
Dem Kern des Problems weicht er (und nicht nur er) damit nämlich geschickt aus: Wenn die alle nicht hier wären, bräuchten wir auch keine härteren Gesetze.
Damit der Rechtstaat aufrechterhalten bleibt, muss sehr viel gleichzeitig geschehen und getan werden: Der überwiegende Teil der Bevölkerung muss die Gesetze und die Vertreter der staatlichen Ordnung, vom Lehrer bis zum Bundeskanzler, achten. Die Menschen müssen wissen, dass Verbrechen normalerweise aufgeklärt und bestraft werden. Sie müssen das Gefühl haben, dass die Polizei und Justiz tatsächlich „Freund und Helfer“ ist, jedenfalls für den normalen Bürger, insbesondere wenn er das Opfer von Verbrechen wird. Es ist erforderlich, dass die Beamten schnell und sauber bei der Verbrechensbekämpfung arbeiten. Dass im Ernstfall das Spezialkommando den Tag rettet. Und nicht zuletzt die Armee auf jeden Angriff von außen vorbereitet ist.
Damit der Rechtsstaat zusammenbricht muss gar nichts passieren.
Dann gibt es ja noch die, welche den Überwachungsstaat fürchten und insbesondere den Trick voraussehen, dass unsere Volkszertreter bald die ausufernde Migrantengewalt zum Einschränken der Bürgerrechte benutzen werden. Sie haben sicherlich nicht Unrecht.
Aber auch hier gilt, dass ein Überwachungsstaat eben tatsächlich nur durch die Massenimmigration notwendig wird, bzw. überhaupt gerechtfertigt werden könnte. Ohne dieses Phänomen bräuchten wir auch keinen Big Brother.
Wer gleichzeitig für die Massenimmigration und für eine laue Justiz eintritt handelt suizidal. Zumindest so lange wir noch eine so hohe Migrantenquote, speziell natürlich muslimischer Migranten, in Deutschland haben, brauchen wir drakonische Gesetze für ihre „Lieblingsverbrechen.“ Und die Strafe, die wir am häufigsten verhängen sollten ist die Abschiebung.
Auch dieses Modell wird von einigen liberalen Islamkritikern befürwortet, während sie gleichzeitig finden, dass die Öffnung der Grenzen „an sich“ etwas Gutes sei. Wir machen uns doch lächerlich, wenn wir „Rückkehrprämien“ ausschreiben, die dann von den immer wiederkehrenden Abzuschiebenden mehrmals eingestrichen werden. Überhaupt, was soll das, Rückkehrprämien? Das Privileg in Deutschland gelebt zu haben sollte Prämie genug sein. Und wer dieses Privileg aufgrund seiner Handlungen verpsielt oder wem der Gastgeber aus welchen Gründen auch immer dieses Privileg entzieht, der hat keine Grundlage irgendein „Recht“ einzuklagen. Macht die Grenzen dicht!
Wenn man in diesem Zusammenhang versucht die absurde Vorstellung einer europäischen Massenimmigration nach Arabien und deren wahrscheinliche Folgen als Beleg anzuführen, kriegt man zu hören, wir seien eben „liberaler“ als das rückständige Arabien und müssten uns daher auch an anderen Standards messen lassen. Da fällt mir nichts mehr ein…
Israel und die Juden
Damit sind wir bei dem Thema, das deutsche Islamkritiker (und nicht nur die) zu den heftigsten Streitereien veranlasst. Und das ist auch das große Problem an diesem Thema. Während der „Wald und Wiesen Nazi“ sich gewohnheitsmäßig antisemitisch und holocaustleugnend mit Schwarz-Weiß- Roten Fahnen durch Dunkeldeutschland drückt hat die liberale Islamkritik den „Philosemitismus“, bzw. die „uneingeschränkte Solidarität“ mit Israel für sich entdeckt.
Als Wahlfreundschaft leuchtet dies aus mehreren Gründen ein: Israel ist im Konflikt mit dem Islam gleichsam ein Vorposten des Westens im Nahen Osten. Die Juden werden von so ziemlich jedem gehasst, am meisten jedoch von arabischen Moslems. Als Europäer, speziell als Deutscher, macht man sich vermeintlich gegen die „Nazikeule“ immun, wenn man proisraelisch auftritt. Und schließlich lässt sich auf diese Weise das Herumdrücken mit Schwarz- Weiß- Roten (oder Schwarz- Rot- Goldenen) Fahnen recht gut vermeiden.
Nun sind ja nicht alle Antisemiten Nazis – allein diese Erkenntnis ist für viele schon zuviel, aber auch nicht alle Philosemiten sind Patrioten! Die antideutsche Bewegung ist genauso proamerikanisch, proisraelisch und islamkritisch wie die liberale Islamkritik, aber sie ist eben antideutsch.
Was aber sollte uns als Deutschen am wichtigsten sein?
Ich schlage vor, dass wir aufhören uns über die Juden und Israel zu streiten, sie ihren eigenen Kampf ausfechten lassen. Wir sollten uns auch keine Gedanken mehr darüber machen, ob die Architekten der „Neuen Weltordnung“ zum großen Teil Juden sind, oder nicht – weil es am Ergebnis ohnehin nichts ändert. Wir sollten aufhören immer wieder auszusprechen, was eh jeder weiß (Marx und Freud und Adorno und wer noch alles)…
Aber wir sollten ebenso aufhören den Islam als „Wiedergeburt des hitlerschen Faschismus“ anzusehen und nur zu bekämpfen, weil die Juden sein Lieblingsfeind Nr. 1 sind (wir sind nämlich Nr. 2), wir sollten uns nicht hinter der Flagge mit dem Stern verstecken, wenn wir eigentlich den Bundesadler verteidigen wollen. Und wir sollten die proisraelische Haltung nicht benutzen, um uns nach links (Nazikeule abwehren) und rechts (Nazikeule austeilen) hin abzusichern.
Das Thema Israel und Judentum ist ein zentrales Thema und wir sollten es offen und ohne gegenseitige Anklagen, nur nach Prüfung der Argumente, diskutieren. Aber wir sollten es nicht zum Kern unserer Debatte machen, da machen wir uns ja lächerlich.
Nicht die proisraelische, sondern die prodeutsche Haltung sollte für uns der Prüfstein sein, ob wir es mit einem Mitstreiter oder einem Gegner zu tun haben!
Ich bin mir der Konsequenzen dieses Satzes bewusst. Jetzt wirft der Liberale ein, da könne es doch eventuell sein, dass man sich mit Holocaustleugnern und Verschwörungstheoretikern einlasse. Dann lieber mit Antideutschen? Da fällt mir nichts mehr ein…
Atheismus und Religion
Die meisten Konservativen haben kein Problem mit der christlichen Religion und das ist auch gut so. Dass jeder liberale oder linke Angriff auf das Christentum oder die Kirche so zu werten ist wie ein Angriff des Islam darauf erscheint mir nur logisch.
Das Christentum war kein zweitausendjähriger Faschismus. Vor allem im Vergleich mit den „weltlichen“ Herrschern kommt es doch ganz gut weg. Wir alle sind Opfer der atheistischen Propaganda von Jahrzehnten!
Auch liberale Islamkritiker sind in der Regel prochristlich (kommt in der Prioritätenliste gleich nach projüdisch), aber viele andere Liberale geben sich allerdings betont atheistisch.
Ich möchte zu meiner eigenen Glaubenssituation ein oder zwei persönliche Sachen sagen, dann ergibt sich der Rest vielleicht von selbst.
Ihr hört ja von mir in letzter Zeit recht unatheistische Töne. Vielleicht hat manch einer sich schon gefragt, warum, einiges habe ich ja auch erklärt. Nein, ich habe nicht zu Jesus gefunden, mir sind aber einige Sachen klar geworden.
Insbesondere habe ich mich überzeugen lassen müssen, dass das Christentum als spiritueller Anker und moralische Leitfigur der westlichen Welt nicht zu ersetzen ist, erst Recht nicht von der Aufklärung.
Diese Einsicht ist für einen Atheisten nicht einfach, weshalb ich mich lange dagegen gesträubt habe.
Ich kann nämlich aus verschiedenen Gründen nicht einfach so tun, als wäre alles in Ordnung und wieder zum Katholizismus konvertieren:
- mir fehlt der persönliche Glaube
- die ultratolerante und suizidal- pazifistische Haltung der Kirchen stört mich
- Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen mit Kirche und Kirchenvertretern habe ich weiterhin Vorbehalte
Das bringt mich in die heikle Position auf keiner der beiden Seiten zu stehen: Die Christen betrachten mich – zu Recht – weiterhin nicht als einen der ihren, die Atheisten dagegen sehen mich (wie auch Pat Condell) als Verräter an.
Dabei habe ich die spirituelle Suche nie aufgegeben! Als Philosoph bin ich der Transzendenz eben nur immer mit dem gleichen Skeptizismus begegnet, den ich auch in erkenntnistheoretischen Diskussionen walten lasse.
Dass dieses Vorgehen schädlich ist sehe ich mittlerweile ein. Da ich nicht areligiös aufgewachsen bin, sondern vom Glauben abfiel, bin ich noch Teil der großen Erzählung „Christentum“ – aber eben, sozusagen, der letzte Teil, weil sich an den Abfall vom Glauben ja die Areligiösität anschließt. Eine areligiöse Gesellschaft ist aber nicht überlebensfähig, areligiöse Menschen sind egoistische, ungebildete Idioten, kurz: Bibelllektüre tut auch Atheisten gut.
Ähnlich deute ich mittlerweile die kantische Ethik, die noch auf christlichem Einfluss beruht und daher das Gute als solches noch kennt. Nicht ohne Grund ist die atheistische Ethik nach und nach zu einer unverbindlichen Phrasensammlung („Fairness“, „Konsensualprinzip“) verkommen.
Ein konservatives Christentum könnte vielleicht nicht mich, aber vielleicht andere Menschen, welche die Beliebigkeit und Feigheit der übertoleranten Weicheier, welche sich „Vertreter der Kirche“ schimpfen, ebenso abstößt, wieder an sich binden.
Auf jeden Fall müssen wir (diesmal ich eingeschlossen) aufhören so zu tun als wäre das Christentum eine dem Islam mehr oder weniger vergleichbare Geißel gewesen, bis die Aufklärung es „gezähmt“ hat. Das ist offensichtlich Propaganda und wer den Schneid hat sich ein wenig abseits von der eigenen atheistischen Clique zu informieren und seine Schlüsse zu ziehen, der kann das auch sehen, selbst ein Hardcoreatheist wie ich. Da ich gewisse Positionen also nicht mehr so wie noch vor einem Jahr vertrete ersetzt dieser Aufsatz auch meinen älteren Essay „die offene Feindschaft und ihre Gesellen“, in welchem ich die christliche Kirche noch als Organ der geschlossenen Gesellschaft deute. Wer diese Schrift aus philologischen Gründen lesen möchte, dem sende ich sie gerne zu.
Aus diesen Gründen lächle ich nur noch müde, wenn Atheisten das christliche Bekenntnis nicht zum Zentrum des europäischen Widerstands gegen den Islam machen wollen. Ich kenne diese Argumente ja alle. Abgesehen davon, dass die Moslems unsere Gottlosigkeit (zu Recht) als Schwäche deuten, stammt die antichristliche Propaganda zu großem Teil von genau jenem größten inneren Feind, der unsere Kultur lieber gestern als heute zerstört sehen will.
Viele Liberale, die wie ich einst die Loslösung von der Kirche als Befreiung erleben (weil jede Loslösung als Befreiung erlebt wird) sind noch nicht an dem „Point of no return“ angelangt, an dem die endlose Einsamkeit der bindungslosen Leere des liberalen Seins sie in den endlosen Kosmos hinabgezogen hat.
Es ist nicht schlecht dazuzugehören. Ja, aber, mag jetzt jemand erwidern, unter Hitler, da war ja Konformismus auch… Da fällt mir nichts mehr ein…
Soweit die Positionierung. Und zum Abschluß noch eine Bitte: Leute, wenn ihr hier lest und ihr seid begeistert, dann teilt mir das mit! Wenn ihr glaubt ich labere Blödsinn, dann lasst es mich wissen.
Dieser Blog lebt davon, dass ich am Leitfaden meiner persönlichen Denkgeschichte politische Themen diskutiere. Ich mache das in meiner Freizeit und habe auch keine Werbe- oder sonstige Einnahmen. Daher ist meine größte Motivation, wenn die Leser etwas kommentieren. Das „qui tacet consentire videtur“ mag ja im Allgemeinen stimmen. Mir ist Eure Resonanz aber wichtig, weil ich ohne das Gefühl habe in einen leeren Abgrund hineinzuschreiben.
Vielen Dank